Vom Verlieren und (sich) Finden


Täglicher Schreibanreiz
In welchen Aktivitäten verlierst du dich?

Wir alle kennen wohl diese Orte, an denen die Zeit stehen bleibt. Nicht, weil die Uhren versagen oder weil jemand beschlossen hat, dass es genug gewesen ist, sondern weil uns etwas so sehr fesselt, dass die Welt ringsum unwichtig wird. An manchen Orten begegnen wir einander, an anderen ist da niemand, außer uns selbst.

Ich verliere mich, wenn Worte zu Bildern werden. Wenn eine Geschichte mich atemlos macht, wenn ein Satz so tief trifft, dass er in mir nachhallt, wie das Echo in einer Höhle. 

Ich verliere mich, wenn ich schreibe, wenn Gedanken sich in Buchstaben verwandeln, Liebe, Freude, Ängste und Schmerz auf Papier oder dem Bildschirm sichtbar werden und sich in etwas Neues verwandeln. 

Ich verliere mich in Musik, wenn eine Melodie mich mit sich trägt, wenn meine Stimme eins wird mit der Luft, wenn ich nicht mehr singe, sondern fast schon gesungen werde. 

Ich verliere mich in der Natur, wenn der Wind meine Gedanken zerzaust, wenn das Licht durch die Blätter tanzt und ich stehen bleibe, weil es in diesem Moment nichts Wichtigeres gibt, als einfach nur zu schauen.  

Ich verliere mich, wenn ich dem Hund dabei zusehe, wie er die Welt erforscht, jeden Grashalm intensiv beschnuppert und jeden Vogel, der in seiner Nähe im Baum zwitschert, still und aufmerksam beobachtet, als wolle er hinter das Geheimnis kommen, wie um alles in der Welt er da hinaufgekommen ist.

Es ist ein wundersames Gefühl, sich zu verlieren – nicht aus Angst oder tatsächlichem Verlorensein, sondern weil etwas anderes größer ist als ich. Weil ich für eine Weile eins werde mit dem, was mich bewegt. 

Vermutlich finden wir uns mit jedem Verlorensein ein bisschen mehr. – Oder gehen erst gar nicht verloren,

Rebecca | Schreibtrunken


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