Die Poesie des Herbstes
Täglicher Schreibanreiz
Welche Jahreszeit magst du am liebsten? Warum?

Oh, wie schön, endlich wieder mal eine Schreibanregung, auf die ich sofort anspringe … 🙂

Antwort:

den Herbst!

Warum? Dafür gibt’s viele Gründe …

Der Herbst ist mehr als nur eine Jahreszeit – er ist ein Gefühl, eine Stimmung, ein sanfter Tanz zwischen Abschied und Neubeginn. Der Herbst hat etwas Melancholisches und in dieser Melancholie liegt eine tiefe Schönheit, die mein Herz berührt und meine Seele umarmt. Die Liebe zum Herbst ist in gewisser Weise die Liebe zum Wandel, zum Loslassen und er lehrt mich, dass Vergänglichkeit ein natürlicher Prozess ist, aus dem heraus immer wieder Neues entsteht.

Die fallenden Blätter flüstern

Wenn die Sonne tiefer steht und das Licht golden durch die Äste fällt, singt der Herbst sein Lied. Das Rascheln der Blätter unter den Füßen ist wie ein sanftes Flüstern der Natur, das von Veränderung erzählt. Jede gefallene Eichel, jede Kastanie und jedes rot gefärbte Ahornblatt ist ein Gedicht, geschrieben von der Zeit selbst. Auf Herbstspaziergängen fühle ich mich mit dem Kreislauf des Lebens verbunden – und unheimlich lebendig.

Der Abschied trägt Farbe

Ich mag es auch sehr, wenn im Frühling die ersten Krokusse aus dem Grün hervorblitzen, aber der Herbst verfügt über die eindeutig schönere Farbpalette: leuchtendes Orange, tiefes Rot, sattes Gelb und sanftes Braun. Diese Farben sind mir ein echtes Fest für die Augen – und fürs Herz. Und auch hier wieder ist es die Pracht der Vergänglichkeit, die ich so beeindruckend finde. Gerade dann, wenn die Blätter kurz vorm Fallen sind, zeigen sie sich ein letztes Mal in all ihrer Schönheit, fast so, als würden sie sich freuen, dass der Sommer mit all seinen Geschichten hinter ihnen liegt, und sie der Verheißung eines neuen Anfangs entgegenfiebern – eines Winters, der ihnen Ruhe bringt und die nötige Kraft, um im Frühling neu zu erblühen.

Und ich denke, dass auch wir in unseren schwächsten Momenten im Grunde genommen nichts anderes durchmachen – einen Wandel. Einen Prozess der Reife und des Wachstums.

Herbstzeit ist Erntezeit

Im Herbst beschenkt uns die Natur mit all ihrer Fülle. Auch, wenn man „Erntedank“ gern mal mit der Kirche verbindet, ist diese Zeit doch auch ganz „unreligiös“ eine echte Einladung zur Dankbarkeit. Sie fordert uns auf, innezuhalten und das Gewordene zu feiern – und auch das erinnert mich wieder an etwas, was in der Natur so selbstverständlich ist, der Mensch aber häufig nur schwer umgesetzt bekommt: die Liebe zur Geduld, zum Warten auf den richtigen Moment – zur Wertschätzung dessen, was Zeit brauchte, um zu werden. Und der Zeit selbst.

Die Schönheit der Melancholie

Wer vielleicht schon mal das ein oder andere Gedicht aus meiner Feder gelesen hat, der weiß, dass ich „hoffnungsvoll melancholisch“ bin, zwar gern über Stille, Leid und Verlust schreibe, aber in der Regel auch nach der darin verborgenen Schönheit suche – und der Herbst spiegelt genau das wider. Die Melancholie des Herbstes ist keine Traurigkeit, sie ist eher eine zarte Sehnsucht, ein Nachspüren des Gewesenen und eine Vorfreude auf das, was da kommen mag – wenn es zuvor auch erst vergehen muss. Fast scheint mir der Herbst nicht nur eine Jahreszeit zu sein, sondern eine „Dazwischenzeit“. Eine Zeit, in der all das Raum findet, was war und sein wird. Eine Zeit der Einkehr, der Reflexion – und der Erkenntnis, dass auch wir Teil dieses ewigen Wandels sind.

Die Balance der Gegensätze

Der Herbst ist ein Tanz zwischen Licht und Schatten, zwischen Wärme und Kühle, Kommen und Gehen. Er erinnert mich daran, dass alles was ist, Teil eines großen Ganzen ist und zwingend nötig, um die Balance zu halten – innen wie außen. Wie sähe die Welt aus, herrschte immer Sommer? Immer Winter? Und wie vielschichtig wäre wohl mein Sein, wäre immer alles Friede, Freude, Eierkuchen? Wüsste ich zu schätzen, was ist, wenn ich es nicht manchmal auch eine Zeit lang vermissen würde?

Um mal zum Ende zu kommen … Der Herbst ist für mich ein Sinnbild für das Leben selbst. Seine Zyklen, seine Farben, seine Stille und seine Melancholie. Er lehrt mich die Kunst, im Wandel zu tanzen und im Loslassen zu blühen. Wer den Herbst liebt, liebt das Leben in all seinen Facetten, mit all seiner Schönheit und Vergänglichkeit. Er ist so viel mehr als eine Jahreszeit. Er ist eine Einladung, das Leben zu umarmen mit all seiner ihm innewohnenden Poesie.


Ach … Poesie … Da fällt mir ein Gedicht ein, das auch in meinem Lyrik-Buch enthalten ist. Es beschreibt letztlich nichts anderes, als das, was ich gerade in viel zu vielen Worten in meinen Laptop getippt habe. 🙂

Das soll’s nun aber mal gewesen sein. Hab noch einen schönen Tag und liebe Grüße!
Rebecca | Schreibtrunken

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