Heute vor 134 Jahren wurde John Ronald Reuel Tolkien geboren – für mich nach wie vor einer der beeindruckendsten Schriftsteller aller Zeiten. Ja. Auch schon lange bevor der Herr der Ringe in die Kinos kam …
Man kann von seinen Büchern halten, was man will, aber es ist doch zweifelsohne schon sehr, sehr außergewöhnlich (um nicht zu sagen: totaler Wahnsinn), was dieser Mann zurückgelassen hat, oder?
Ich habe mich schon oft gefragt, wie ein Kopf wohl beschaffen sein muss, in dem ganze Welten enstehen. Sicher, das geschieht auch in anderen Köpfen und mitunter nicht einmal schlechter, dennoch ist das „Gesamtpaket Tolkien“ für mich nach wie das Idealbild von Kreativität – in einem Ausmaß, das vermutlich niemals übertroffenden werden wird.
Er muss Sprache nicht nur verstanden und geliebt haben, er muss sie gefühlt haben. Gelebt.
Ich stelle mir vor, dass für Tolkien Wörter nicht einfach nur Werkzeuge waren, die man nutzt, um Geschichten zu erzählen, sondern lebendige Gefährten, liebgewonnene Freunde mit Herkunft. Mit Würde. Womöglich sogar mit Erinnerung. Wörter, die unbedingt gehört werden wollten.
Deshalb kann es in seinem Inneren auch nur selten still gewesen sein. In ihm muss ständig etwas gewachsen sein, sich verzweigt und nach einem Namen verlangt haben. – Ob man sich überhaupt vornehmen kann, solche Welten und Sprachen zu erschaffen? Ich denke, auf so etwas kommt man nur, wenn man einfach nicht anders kann.
Wenn das Schreiben nicht lediglich Ausdruck ist, sondern Notwendigkeit. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Schreibend die Not wenden.
So sehr ich ihn für seine Arbeit auch bewundere und so gern ich auch etwas ähnlich Unsterbliches zu Papier bringen würde, ich glaube, zu beneiden war er um die ihm innewohnende Tiefe nicht – Tiefe wiegt oft schwer …
Wer so genau hört, hört auch das Schwere.
Wer Mythen baut, weiß um Vergänglichkeit.
Wer Sprachen liebt, den schmerzt ihr Verfall –
wenn das zu Zeiten Tolkiens auch sicher noch weniger Thema war als heute.
Ich verehre, was er erschaffen hat. Ob er menschlich als Vorbild dient, das steht auf einem anderen Blatt. Er war wohl sehr starr. Seiner Zeit und seinem Tun verpflichtet. Häufiger in fremden Welten anzutreffen als im Hier und Jetzt. Gut möglich, dass man jemanden wie ihn nicht gerne zum Partner hätte – viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt.
Aber vielleicht braucht es genau diese Härte, um etwas so Dauerhaftes hervorzubringen.
Er hat sich ohne Zweifel unsterblich gemacht. Und wohl auch einen Preis dafür gezahlt …
Es mag sein, wie es will, Tolkien inspiriert mich enorm. Gleichzeitig ernüchtert er mich auch. Weil ich weiß, dass ich dieses Maß nie erreichen werde – obwohl es ja offensichtlich möglich ist.
Aber so ist das nun mal: Größe ist nicht kopierbar. Jede Stimme trägt ihr eigenes Gewicht und wer sich immerzu mit anderen vergleicht – noch dazu mit den Besten ihres Fachs – der kann nur verlieren. Sollten wir nicht tun. Ganz gleich, worum es geht …
Und doch sind Worte nie nur Worte.
Sie hinterlassen immer etwas. Und wir, die wir uns Tag für Tag der Sprache bedienen, entscheiden ganz allein, welche unserer vielen Worte andere in Erinnerung behalten (könnten). Daran versuche ich mich immer wieder mal zu erinnern – hier und da fiel es mir aber auch zu spät ein. Teilweise ist das wirklich bedauerlich, denn was jemand gehört hat, das lässt sich nie wieder ungehört machen. Klingt so banal, ist aber doch so elementar …
Du hast sicher auch irgendwelche Worte oder Sätze im Kopf, die vor ewig langer Zeit jemand zu dir gesagt hat, die aber noch immer nachwirken – positiv wie negativ. Wenn man`s recht bedenkt, sind wir dadurch ja irgendwie doch alle ein wenig unsterblich. Sollte man sich vielleicht häufiger mal bewusst machen, ehe man den Mund aufmacht …
Hups. Ich komme vom Thema ab. Aber viel mehr soll es auch gar nicht werden. Wollte anlässlich seines Geburtstages einfach mal ein paar Gedanken hier festhalten.
Ach … Eins vielleicht noch. Rate, wie mein Hund heißt?
Genau: Tolkien. ♡
Meine kleine, private Verbeugung vor dem Professor – der einer der ersten Schriftsteller war, die mich gelehrt haben, dass Sprache in der Lage ist, Welten zu erschaffen, die man selbst dann (oder gerade dann) noch bewohnen kann, wenn man sich nirgendwo zuhause fühlt.
Lieben Gruß!
Rebecca | Schreibtrunken
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