Seit meiner Kindheit schreibe ich, seit ich etwa 20 bin, träume ich von einem eigenen Buch – seither sind diesen Sommer stolze 30 Jahre vergangen … Aber, nachdem ich die Tage schon meine Exemplare vom Verlag bekommen habe, hat mir heute der Amazon-Mann doch tatsächlich MEIN BUCH geliefert! So eine Freude!

Das ist ein unheimlich schönes Gefühl. So oft habe ich angefangen und dann doch wieder alles überworfen, weil:

„Da biste eh nicht gut genug für und kein Mensch interessiert sich dafür, was du da tippselst.“

So bin ich aufgewachsen und auch, wenn ich recht früh aus meiner Herkunftsfamilie ausgeschieden bin, bin ich auch mit knapp 50 noch ganz oft das kleine Mädchen, das sowieso alles verkehrt macht und nie was gebacken bekommt. 

Ganz egal, ob dieses Buch 10 Menschen kaufen oder 100, allein die Tatsache, dass ich mein inneres Fräulein Rottenmeier auf die stille Treppe geschickt bekommen, das Buch zu Ende gebracht habe und nun in Händen halten kann, ist für mich ein enormer Erfolg. Hab ich lange Zeit nicht mehr dran geglaubt. 

Es geht so oft im Leben nicht darum, was jemand kann oder nicht kann, es geht darum, dass er an sich selbst glaubt.

Denn tut er es nicht, wird er immer unter seinen Möglichkeiten bleiben. Und das ist verdammt schade. Man erfährt nie, was zu leisten man vielleicht imstande gewesen wäre, weil man es nicht einmal versucht. Und ob oder wie stark jemand an sich glaubt, das beeinflussen häufig andere. 

Manchmal hab ich mich den letzten Tagen bei dem Gedanken erwischt, was wohl wäre, wenn eine bestimmte Person aus meiner Kindheit und Jugend dieses Buch zu Gesicht bekäme.

Was würde sie wohl davon halten? Würde es ihr gefallen? Wäre sie vielleicht sogar ein bisschen stolz oder würde sie nur mit den Augen rollen und, sofern sie es lesen würde, einen Anwalt kontaktieren, weil sie sich in manchen Texten erkennen und ungerecht behandelt fühlen würde?

Es ist unwahrscheinlich, dass „Menschen von früher“ davon erfahren, aber ich merke, das mir deren Urteil noch immer mehr bedeuten würde, als es sollte.

Wir alle haben unsere Geschichte, unsere Prägungen und oftmals sind sie selbst Jahrzehnte später – trotz besseren Wissens – noch immer aktiv. Oder zumindest nicht immer zu beherrschen. Daran versuche ich immer zu denken, wenn jemand „irgendwie so komisch“ ist.

Mir hat ein kleines Wörtchen mal sehr geholfen, meine ganzen vermeintlichen Mängel in ein etwas anderes Licht zu rücken.

Das „noch“ lässt Raum für Entwicklung. Macht deutlich, dass der Ist-Zustand nichts anderes ist, als genau das. Eine Momentaufnahme – die, wenn’s dumm läuft, eben auch mal ein paar Jahrzehnte andauern kann.

Der Glaubenssatz „Ich bin für xyz nicht gut genug“ ist so zerstörerisch. Falls du irgendwas nicht auf die Reihe kriegst – noch nicht. Noch nicht. Und nur, weil etwas für wen auch immer leicht ist, muss es das für dich noch lange nicht sein. Lass dir da bloß nichts anderes einreden!

Das war jetzt bisschen viel, glaube ich – aber gemessen an der Tatsache, dass ich zu dieser Thematik noch so viel mehr schreiben könnte, relativiert sich das Ganze dann ja vielleicht auch wieder ein bisschen.

Falls das jemand bis hierhin gelesen haben sollte: DANKE! 

Rebecca | Schreibtrunken


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3 Antworten zu „Was lange währt, wird endlich Buch“

  1. Avatar von Übers Schreiben – Schreibtrunken

    […] Was lange währt, wird endlich Buch […]

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  2. Avatar von
    Anonymous

    Es könnten fast meine Worte sein, bzgl. Liedertexte, bzgl. innerer Haltung. HM2g

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    1. Avatar von Rebecca
      Rebecca

      Also ein Schreiben um des Schreibens willen … Schön, dass wir da etwas gemeinsam haben, lieber Herr Müller! 🙂 Danke für Ihren Kommentar!

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