Bei Ebbe am Strand

Ich bin die Tage über ein Foto gestolpert, das ich vor ein paar Jahren am Strand von St. Peter Ording gemacht habe. Es war bisher immer nur „ein Foto“, aber nun wollte es plötzlich seine Geschichte erzählen …

BEI EBBE AM STRAND
Auf Insta trag ich‘ s dir auch gern vor.

Ich habe eine Truhe gefunden,
sie lag bei Ebbe am Strand.
Fast, als hätte sie auf mich gewartet,
dort, im matschigen Sand.

Die Sonne stand tief am Himmel,
stillschweigend ruhte das Meer.
Wie lange die Truhe dort wohl schon lag?
Und wo kam sie eigentlich her?

Der Deckel knarrte beim Öffnen,
als atmete er ganz tief ein.
Es lag darin, in Tücher gewickelt,
mein früheres Ich – mein Sein.

Ein Foto mit Eselsohren,
ein Brief, nie abgeschickt,
ein Windlicht, das ich bemalte,
ein Schal, aus Träumen gestrickt.

Mein Lächeln aus Kindertagen,
ein Löffel voll warmer Zeit,
ein Funkeln vergessener Wunder,
der Schlüssel zur Fröhlichkeit.

Ich ließ meine Finger wandern,
über das, was ich einmal besaß.
Und spürte ein heimliches Sehnen,
nach dem, was ich damals vergaß.

Es war weder Gold noch Silber,
nur Dinge von echtem Gewicht:
ein Vers aus vergangenen Nächten,
von gefallenen Sternen das Licht.

Ich spürte im Innern ein Zittern,
dann sah ich aufs Wasser hinaus –
und ich erkannte: Nicht eine Truhe,
sondern mich selbst grub ich aus.

Das Meer hatte mich einst verschlungen,
zu bewahren, was ich nicht verstand.
Doch nun gab es mich wieder frei –
drum lag ich bei Ebbe am Strand.

Rebecca | Schreibtrunken

Einen schönen Tag wünsche ich euch und wer weiß …
vielleicht fallt ihr euch heute ja auch einfach so vor die Füße. ♡


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