Ich habe eine Truhe gefunden,
sie lag bei Ebbe am Strand.
Fast, als hätte sie auf mich gewartet,
dort, im matschigen Sand.
Die Sonne stand schon tief am Himmel,
stillschweigend ruhte das Meer.
Wie lange die Truhe dort wohl schon lag?
Und wo kam sie eigentlich her?
Der Deckel knarrte beim Öffnen,
als atmete er ganz tief ein.
Es lag darin, in Tücher gewickelt,
mein früheres Ich – mein Sein.
Ein Foto mit Eselsohren,
ein Brief, nie abgeschickt,
ein Windlicht, das ich bemalte,
ein Schal, aus Träumen gestrickt.
Mein Lächeln aus Kindertagen,
ein Löffel voll warmer Zeit,
ein Funkeln vergessener Wunder,
der Schlüssel zur Fröhlichkeit.
Ich ließ meine Finger wandern,
über das, was ich einmal besaß.
Und spürte ein heimliches Sehnen,
nach dem, was ich damals vergaß.
Es war weder Gold noch Silber,
nur Dinge von echtem Gewicht:
ein Vers aus vergangenen Nächten,
von gefallenen Sternen das Licht.
Ich spürte im Innern ein Zittern,
dann sah ich aufs Wasser hinaus –
und erkannte: Nicht eine Truhe,
sondern mich selbst grub ich aus.
Mich hatte das Meer einst verschlungen,
weil ich mich selbst nicht verstand.
Doch nun gab es mich wieder frei –
drum lag ich bei Ebbe am Strand.



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