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Wie Tolkien Mittelerde auf einem leeren Blatt fand


Für eine großartige Geschichte braucht es manchmal nicht mehr, als ein leeres Stück Papier und ein kleines bisschen Langeweile. – So jedenfalls begann die Entdeckung Mittelerdes.

J. R. R. Tolkien verbrachte viele Jahre damit, als Professor Prüfungsarbeiten zu korrigieren. Eine Tätigkeit, die vermutlich nicht ganz oben auf der Liste aufregender Abenteuer steht. Irgendwann fiel ihm dabei ein leeres Blatt in die Hände, und ohne besonderen Grund schrieb er einen einzigen Satz darauf:

Das war alles. Keine Weltkarte. Kein Berg. Weder Elben, Ringe noch ein glühendes Auge.

Tolkien selbst hat oft erzählt, dass er nicht den Hauch einer Ahnung hatte, was um alles in der Welt ein Hobbit sein sollte – dieser Satz sei aus dem Nichts vor ihm aufgetaucht und glücklicherweise hat er ihn nicht mit einem Kopfschütteln abgetan, sondern aufgeschrieben.


Die meisten von uns hätten diesen Satz vermutlich wieder vergessen. Ein unbedeutender Einfall, der für einen Moment unsere Aufmerksamkeit erregt und anschließend in der Versenkung verschwindet.

Tolkien aber wurde neugierig.

Wer war dieser Hobbit?
Warum lebte er in einem Loch?
Wie sah dieses Loch aus?

Und während er versuchte, Antworten auf diese Fragen zu finden, begann etwas zu wachsen. Erst eine Geschichte, dann eine Mythologie und schließlich eine der einflussreichsten Fantasywelten der Literaturgeschichte.

An Tolkiens Geschichte gefällt mir besonders, dass sie einem weit verbreiteten Irrtum widerspricht. Viele Menschen glauben, große Werke müssten mit großen Ideen beginnen. Mit einem fertigen Konzept. Einer glasklaren Vision. Einem Plan, der von Anfang bis Ende feststeht.

Doch oft entstehen Geschichten ganz anders – manchmal aus einer winzigen Kleinigkeit, die sich hartnäckig weigert, zu verschwinden.


Tolkien wusste am Anfang nicht, wohin die Reise führen würde. Er folgte einfach seiner Neugier. Und vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Fähigkeiten von Schriftstellern. Nicht alles zu wissen, sondern Fragen lange genug interessant zu finden.

Eigentlich klingt der berühmte Satz sogar ein wenig seltsam.

Ein Hobbit? In einem Loch? Das hätte auch völlig belanglos bleiben können.

Viele Ideen wirken zunächst albern, unfertig oder unbedeutend. Genau deshalb verlieren wir sie auch so oft wieder. Vielleicht besteht ein Teil kreativer Arbeit darin, nicht jede seltsame Idee sofort zu verurteilen, sondern ihr ein wenig Zeit zu geben. Ein paar Fragen und ein wenig Aufmerksamkeit.

Manchmal steckt hinter einer scheinbar kleinen Idee etwas Größeres. Manchmal auch nicht – aber das erfährt man nur, wenn man nachschaut.

Heute kennen Millionen Menschen Mittelerde. Sie kennen Hobbits, Elben und Zwerge, wissen um Orte, Sprachen und Geschichten, die Tolkien später erschuf. Doch all das begann mit einem einzigen Satz auf einem Prüfungsbogen. Mit einer Idee, die zunächst nicht mehr war als eine merkwürdige Bemerkung.


Ich finde die Geschichte um Tolkiens berühmten ersten Satz aus dem Hobbit schon sehr, sehr beeindruckend – und lehrreich.

Man muss nicht immer wissen, wohin eine Idee führt. Manchmal genügt es, ihr zu folgen. Einen Satz lang. Eine Seite lang. Ein Kapitel lang.

Niemand kann vorhersagen, welche Gedanken sich später als wichtig erweisen werden. Nicht einmal Tolkien konnte das. Als er diesen Satz aufschrieb, ahnte er sicher nicht, was daraus einmal entstehen würde.

Tolkien suchte nach der Bedeutung dieser mysteriösen zehn Wörter – und fand dabei Mittelerde.


Schreib deine Ideen auf, so albern sie dir auch vorkommen. Vielleicht bleibt es bei diesem einen, merkwürdigen Gedanken – vielleicht entsteht mit der Zeit aber auch eine neue Welt daraus. Wer will das vorher schon so genau wissen …

Na lû men cenitham.



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