Schreibtrunken.de


Eine Sammlung von Gedanken und Beobachtungen darüber, wie kostbar gewöhnliches Leben wird, sobald wir uns daran erinnern, dass es nicht unendlich ist.

Es folgt eine kurze Vorstellung dieses „Projekts“ und seiner Hintergünde. Die Artikel selbst findest du thematisch sortiert auf dieser Linksammlung oder auch fortlaufend in ihrer Kategorie.
Etliche Texte mehr sind bereits verfasst und werden nach und nach ergänzt.


Irgendwann wird es einen letzten Sommer geben.
Ein letztes Gespräch. Eine letzte Umarmung.
Einen letzten gewöhnlichen Dienstagabend.

Gedanken, die viele Menschen am liebsten weit von sich schieben – und doch bewegen wir alle uns von unserem ersten Atemzug an zielsicher darauf zu.

Letzte Male geschehen nicht erst am Lebensende.
Wir begegnen ihnen auf unserer Reise durch die Jahrzehnte immer wieder – und laufen in der Regel ahnungslos an ihnen vorbei.

Unser Verstand weiß natürlich, dass wir eines schönen Tages Geschichte sein werden, dennoch leben wir häufig so, als sei diese Tatsache nichts weiter als ein großer Irrtum.

Wir verschieben Gespräche, Träume und Entscheidungen auf später und während wir organisieren und funktionieren, uns alle Mühe geben, Gedanken an unsere Vergänglichkeit (oder die anderer) zu vermeiden, wundern wir uns immer häufiger, warum die Jahre so schnell an uns vorüberziehen.


Die Endlichkeit und das Leben davor beinhaltet Gedanken und Beobachtungen über Zeit, Liebe, Verlust, Erinnerung, Trauer, Bindung und die Frage, was einem Leben Bedeutung verleiht – so wirklich.


Warum mich dieses Thema so sehr beschäftigt?

Kennst du diese seltsamen Kinder, die dir Fragen stellen, die du aus einem Kindermund nicht erwartet hättest? – Ich war eines davon.

Schon früh wollte ich wissen, was es mit diesem Leben auf sich hat, was danach kommt und was der Sinn unserer Existenz ist.

Aus heutiger Sicht kann ich nachvollziehen, dass Erwachsene mit mir und meinen Interessen häufig überfordert waren. Für mich dagegen waren diese Überlegungen ähnlich selbstverständlich wie die Frage, was wohl hinter dem nächsten Hügel liegt.

Ob die vielen Beerdigungen, die ich als Kind besuchte, dafür verantwortlich zu machen sind, darüber lässt sich nur munkeln, aber so ist das nun mal, wenn man den Großteil seiner Zeit bei den Großeltern verbringt, die in einem kleinen bayerischen Dörfchen leben.

Gestorben wird immer.

Das hatte ich schnell begriffen.


Das hatte mich schwer getroffen. Wer will schon für den Tod von Tante Edeltraud oder Metzger Franz verantwortlich sein? Niemand. Aber das war offenbar mein Schicksal.

Für eine kurze Weile kam ich nicht mehr ganz so gern zu Besuch, erlag aber irgendwann dem Verlangen nach Omas Milchreis – und so wurde eben doch weitergestorben.

Tragisch, ich weiß.
Aber hättest du Omas Milchreis gekannt, du hättest sicher genauso gehandelt.


Vielleicht ist dieser Bereich meiner Website deshalb keine Überraschung, sondern lediglich die logische Fortsetzung einer inneren Unterhaltung, die ich schon sehr lange führe.


Zu keinem Zeitpunkt
haben diese Texte das Ziel,
den Tod zu romantisieren oder
Schmerz & Trauer schönzureden.

Denn davon erleben wir sehr viel mehr als unseren letzten – an dem sich schon so viele Menschen gewünscht haben, sie hätten ihr Leben eher mit beiden Händen an den Haaren gepackt und an sich gerissen. Weniger auf später verschoben. Bewusster gelebt.

Ich denke, das ist vielleicht sogar die größte Kunst des Menschseins:


Ja, ich schreibe über Endlichkeit.
Vor allem aber schreibe ich über das Leben davor.

Über Erinnerungen, die irgendwann alles sein werden, was uns bleibt. Und über die traurige Tatsache, dass wir den Wert vieler Dinge oft erst erkennen, wenn sie beginnen, aus unserem Leben zu verschwinden.

Wenn meine Texte etwas bewirken sollen, dann vielleicht, dass du deinen Kaffee heute etwas langsamer trinkst. Jemanden anrufst. Einen Spaziergang machst – und dich bestenfalls für einen Moment daran erinnerst, dass ein Leben nicht irgendwann stattfindet.

Ich wünsche dir sehr, dass du auf deines irgendwann zurückblicken und sagen kannst:

Es war zwar nicht perfekt.

Lieben Gruß
Rebecca


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