Muttertag … In vielen Familien ein unheimlich schöner Tag – in anderen dagegen ein eher bedrückender. Nicht nur für Mütter, die sich nicht genug gesehen fühlen, sondern auch für so manches Kind, das genau um die Erwartungen weiß, die man an es hat, während sein Inneres am liebsten davor weglaufen würde.
Wie schon Tolstoi in Anna Karenina schrieb:
„Alle glücklichen Familien sind einander ähnlich,
jede unglückliche Familie ist unglücklich auf ihre Weise.“
Ich wünsche dir sehr, dass du dich in den folgenden Zeilen nicht wiederfindest, weiß aber, dass es mehr Menschen tun werden, als man meinen möchte …
Hab einen schönen Tag!
Muttertag für Ungeliebte
Heute ist wieder Muttertag.
Deshalb schreibe ich diese Reime.
Für jeden, der zwar eine Mutter hat,
obwohl sich’s anfühlt, als hätte er keine.
Ich weiß, die Gesellschaft redet dir ein,
du müsstest deine Mutter lieben.
Respekt empfinden und dankbar sein,
Kritik sollst du nie an ihr üben.
Du hast sehr oft ein schlechtes Gewissen,
an Tagen, wie diesen, noch mehr.
Fühlst dich schuldig, im Innern zerrissen,
Selbstzweifel wiegen besonders schwer.
Man will es nicht wahrhaben und doch ist es so,
dass Mütter nicht immer lieben.
Manch eine fragt sich im Stillen: “Wieso
bin ich nicht kinderlos geblieben?”
Das gibt sie natürlich niemals zu,
es kann nicht sein, was nicht sein darf.
Sein Kind abzulehnen, ist ein großes Tabu
und dieses Tabu ist messerscharf.
Solche Kinder tragen häufig Masken,
sie halten sich meist bedeckt,
sodass niemand ahnt, in wie vielen Erwachsenen
eine fein säuberlich filetierte Kinderseele steckt.
Doch ein Kind liebt zunächst bedingungslos,
selbst dann noch, wenn man es schlägt.
Und so zieht es für sich den vernichtenden Schluss,
dass es fehlerhaft ist und es selbst die Schuld trägt.
Häufig vergeht dieses Gefühl nie mehr,
bleibt bestehen fürs ganze Leben.
Ein ungeliebtes Kind lernt nur schwer,
sich selbst mit Liebe zu begegnen.
Sie fühlen sich wertlos und fehl am Platz,
hinterfragen, was sie hier sollen.
Ahnen nichts von dem geheimen Schatz,
der in ihnen liegt, wie eine Insel – verschollen.
Heute ist wieder Muttertag.
Deshalb schreibe ich diese Reime.
Für jeden, der zwar eine Mutter hat,
obwohl sich’s anfühlt, als hätte er keine.
Das Erbe, das du trägst, ist viel zu schwer.
Du bist nicht verantwortlich, für das, was geschah.
Wiege das Kind in dir sanft hin und her –
sei dir selbst die Mutter, die dir versagt war.
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