In meiner Wiege lagen Koffer.
Hineingefaltet: Gesetze und Pflicht.
„Reiß dich zusammen!“, „Mach dich gerade!“
Und: „Fürs Schwachsein schämt man sich.“
Ich trug sie wie ein altes Kleid,
viel zu eng und voller Flecken.
Das Muster hat mir nie gefallen –
ich lernte früh, mich zu verstecken.
„Du bist zu viel. Du bist nicht recht.“
Das hallte nach in jedem Raum.
Und jeder Schritt, ganz gleich, wohin,
tat weh wie ein geplatzter Traum.
Die Angst, zu scheitern, saß im Nacken,
die Schuld wuchs mir zur zweiten Haut.
Ich wollte lachen, wollte fliegen,
hab mich aber nicht getraut.
Doch irgendwann hab ich’s gewagt,
die Koffer endlich aufzuklappen.
Ich wollte wissen, was sie bargen –
was andre mir hineingepackt hatten.
Was ich fand, war nicht für mich:
kein Trost, kein Licht, kein liebes Wort.
Fremde Träume, kalte Regeln –
ich brauchte nichts von all dem dort.
Ich hielt die Last noch einen Atem,
gehörte sie doch fest zu mir.
Dann brach ich barfuß auf ins Leben –
mein altes Gepäck blieb zurück an der Tür.



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