Ich habe mit einem Mädchen gesprochen.
Noch keine vier Jahre alt.
Ich habe dabei seine Hände gehalten,
ganz klein waren sie und eiskalt.
Ob es denn auch einmal groß werden müsse,
hat mich das Mädchen gefragt.
Das wolle es nämlich eigentlich nicht,
hat es danach noch gesagt.
Ich sah in die dunklen Augen des Kindes
und stürzte auf deren Grund.
Dort saß, in der hintersten Ecke kauernd,
des Mädchens Seele, ängstlich und wund.
Ich fragte, ob ich mich setzen dürfe,
außer uns sei ja niemand sonst da.
Sie meinte, das sei ihr auch lieber so,
dann nickte sie sachte und flüsterte „Ja“.
Warum es hier unten alleine sei,
hab ich das Seelchen gefragt.
„Weil mir hier niemand weh tun kann“,
hat es kaum hörbar gesagt.
Diese Antwort traf mich sehr,
ich fand keine passenden Worte.
„Ich hab es nicht besser verdient“,
sprach es weiter,
ich bin von der unnützen Sorte.“
„Wie kannst du sowas auch nur denken?“,
rief ich erschrocken aus.
„Da oben wartet ein Kind auf dich,
ein Kind, das dich ganz dringend braucht!
Du bist der Flügel, der sie trägt,
ihr Licht in dunkler Nacht.
Du brauchst sie und sie braucht dich,
ihr seid füreinander gemacht!
Keiner von euch kann glücklich werden,
alleine, ohne den andern.
Getrennt werdet ihr für alle Zeiten
im Schatten der Einsamkeit wandern.
Die kleine Seele sah mich an,
Verzweiflung in ihrem Blick,
„Ich bin aber schon so lange hier unten,
ich finde nicht mehr zurück.“
Sanft legte ich meinen Arm um sie,
das Seelchen ließ es geschehen.
„Okay“, sagte es, „ich bin bereit,
hilf mir, nach Hause zu gehen.“
So stiegen wir langsam gemeinsam hinauf,
bis wir das Mädchen fanden.
Ein schüchternes Lächeln schenkten sie sich –
als wüssten sie, dass sie sich kannten.
Lange blickten die beiden sich an,
wortlos unterhielten sie sich.
„Da bist du ja endlich“, sagte ich leise,
als der Schleier sich hob –
und nichts blieb, als ich.
*



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