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Leben in Lücken


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Ich weiß, wie die meisten Menschen es meinen, wenn sie vom Loslassen sprechen.

Sie meinen nicht etwa, dass etwas oder jemand vergessen werden soll. Oder dass ihnen alles völlig gleichgültig sein müsste. – Meist meinen sie „Frieden finden“. Etwas soll nicht mehrso wehtun.

Dennoch scheint mir „Loslassen“ nicht das richtige Wort zu sein.
Vieles von dem, was wir gern loslassen würden, ist längst fort.

Häufig liegt all das schon lange nicht mehr in unseren Händen.
Und nicht wir haben nicht entschieden, dass es geht.

Wie soll man etwas loslassen, das uns bereits losgelassen hat?

Vielleicht besteht die eigentliche Aufgabe deshalb nicht darin, loszulassen. Vielleicht besteht sie darin, anzuerkennen, dass etwas fehlt. Dass etwas schmerzt.

Der leere Platz am Tisch.
Das Schweigen nach einem Abschied.
Die Lücke, die bleibt, wenn etwas Wichtiges verschwindet.

Ich verbinde Loslassen in gewisser Weise mit Trauer –
und diese Trauer braucht einen Platz in unserem Leben.

Manche Dinge gehen nie vorbei.
Sie werden Teil von uns.

Sie leben weiter in Erinnerungen, in Gewohnheiten, in Geschichten, die wir erzählen, und manchmal in den Menschen, die wir geworden sind.

Ich denke nicht, dass Loslassen der einzige Weg zum Frieden ist.

Vielleicht ist Frieden eher die Erkenntnis, dass wir nicht alles festhalten müssen, um es für immer in uns zu tragen.

Hab noch einen schönen Tag!
Rebecca


Immer wenn ein Abschied schmerzt,
das Herz ganz schwer ist, vom Verlust,
dann sagen dir die Leute gerne, 
dass du endlich loslassen musst. 

Als stünd im Keller eine Kiste,
mit all den Träumen, die vergingen. 
Als müsste man sie nur verschließen, 
und sie dann zum Restmüll bringen.

Doch so funktioniert das nicht.
Machen wir uns doch nichts vor.
Wie soll man sich von etwas trennen,
das man doch schon längst verlor?

Das ist, als stünden wir am Bahnsteig,
blickten Zügen hinterher,
und sagten, wenn sie schon weit fort sind:
„Nun fahr schon los und komm nie mehr.“

Die Entscheidung ist nicht unsre.
Wenn es uns auch nicht gefällt.
Man kann die Hand nicht loslassen,
die unsere schon nicht mehr hält.

Die Kunst ist nicht, das Ziehenlassen.
Das, was gehen möchte, geht. 
Die Kunst ist, auszuhalten lernen,
dass Menschsein auch aus Lücken besteht.

Dass manche Dinge weiterleben,
obwohl sie nicht mehr bei uns sind.
Wie Licht in alten Fensterscheiben.
Wie Morgennebel. Frühlingswind.

Und irgendwann bemerkt man dann, 
dass nichts, was war, je gänzlich geht. 
Weil alles, was uns einst berührte,
in unseren Lücken geschrieben steht. 

*


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Das Paradox des Loslassens



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