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Warum bereiten wir uns auf alles vor – außer auf den Tod?


Es gibt kaum etwas, auf das moderne Menschen sich nicht vorbereiten.

Wir planen Karrieren, vergleichen Versicherungen, optimieren Schlafzyklen, zählen Schritte, sparen für die Rente und analysieren unsere Ernährung bis auf die letzte Kalorie.

Wir besuchen Geburtsvorbereitungskurse, Bewerbungstrainings und Finanzseminare, installieren Apps, die uns daran erinnern zu trinken, zu meditieren, zu schlafen oder produktiver zu arbeiten – für nahezu jede Eventualität existiert heute ein Plan, eine Strategie oder zumindest eine Checkliste.

Auf eine Sache allerdings bereiten wir uns erstaunlich wenig vor: darauf, dass wir sterben werden.


Wenn man in Gesprächen auf dieses Thema kommt, könnte man fast meinen, der Tod sei für den Großteil der Menschen eine eher unwahrscheinliche Ausnahme. Wie etwas, das zwar theoretisch existiert, mit unserem eigenen Leben aber nicht viel zu tun hat.

Wenn wir heute in vielen Bereichen auch sehr viel mehr wissen, als noch vor der globalen Digitalisierung, sind wir in Bezug auf die Vergänglichkeit des Lebens doch sprachloser denn je – was aber vielleicht auch nicht verwundern dürfte.


Früher war der Tod sichtbarer. Menschen starben häufiger zu Hause und schon Kinder sahen tote Großeltern, Freunde, Angehörige – Abschied und Trauer waren Teil des Lebens.

Heute sterben viele Menschen in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen oder Hospizen.

Das ist in vieler Hinsicht würdevoll und entlastend, gleichzeitig führt es aber dazu, dass viele Menschen kaum noch Berührung mit Sterben und Endlichkeit haben – bis sie plötzlich selbst davon betroffen sind.

Vielleicht wirkt der Tod deshalb heute oft so bedrohlich. Nicht, weil er früher weniger schmerzhaft gewesen wäre, sondern weil er uns fremder geworden ist. Er erscheint nicht mehr als Teil des Lebens, sondern beinahe wie ein Fehler im System.


Wir sprechen erstaunlich offen über Darmgesundheit, Burnout und Anti-Aging, aber deutlich seltener darüber, wie wir eigentlich sterben möchten.

Viele Menschen haben mit ihren Eltern nie über Patientenverfügungen gesprochen oder über Wünsche für die letzte Lebensphase. Manche wissen sehr genau, wie sie ihr Geld anlegen möchten, aber nicht, welche Musik sie sich auf ihrer eigenen Beerdigung wünschen.


Dass wir so bemüht sind, den Tod aus unserem Leben verdrängen, bedeutet nicht zwingend, dass wir zu oberflächlich geworden sind.

Es bleibt ihm einfach immer weniger Raum, weil er nur schlecht in eine Kultur permanenter Leistungsteigerung passt.

Der Tod leistet nichts. Er ist weder produktiv noch optimiert er irgendwelche Geschäftsabläufe. Er unterbricht.Macht Menschen traurig, verletzlich und manchmal handlungsunfähig.

Doch genau an dieser Stelle stößt die Logik unserer Zeit an ihre Grenze. Man kann vieles beeinflussen, aber nicht die Tatsache, dass wir sterblich sind. Also verschieben wir das Thema. Nicht unbedingt bewusst. Eher in kleinen alltäglichen Verleugnungen.

Nicht jetzt schon dran denken.
Später darüber reden.
Noch schnell etwas erledigen.
Beschäftigt bleiben.
Funktionieren.

Beschäftigung ist eine höchst elegante Form der Verdrängung.

Aber verlieren wir nicht auch etwas, wenn wir den Tod aus unserem Leben verbannen?

Ich denke, wir verlieren nicht nur unsere unangenehmen Gedanken, wir verlieren wir auch eine bestimmte Form von Wachheit. Die Erinnerung daran, dass Zeit begrenzt ist, verändert Prioritäten.

Menschen, die eine schwere Krankheit überstanden oder Sterbende begleitet haben, stellen später oft fest, dass viele Dinge, die vorher riesig erschienen, plötzlich sehr viel kleiner geworden waren.

Konflikte verlieren an Bedeutung, der persönliche Status wird nebensächlich. Zeit und Nähe – das ist es, was plötzlich den größten Wert erhält.


Wert ...

Viele Sterbende sprechen über verlorene Beziehungen, über versäumte Ehrlichkeit, über verpasste Möglichkeiten, über Menschen, die sie lieben oder verletzt haben und über all die Dinge, die sie gern getan hätten. Erst angesichts der nahenden Endlichkeit scheinen wir uns zu fragen, wie wir eigentlich gern gelebt hätten. – Ein Gedanke, der traurig macht.

Dabei müsste die Auseinandersetzung mit dem Tod nicht zwangsläufig düster sein.

Wer akzeptiert, dass das Leben begrenzt ist, muss nicht mehr so tun, als könne alles perfekt werden. Nicht jede Entscheidung muss endgültig richtig sein und nicht jeder Tag maximal effizient. Wir können ohnehin nicht alles schaffen.

Vielleicht entsteht aus Endlichkeit nicht nur Angst, sondern auch Milde. Milde gegenüber sich selbst und anderen – und dem Fakt, dass ein menschliches Leben immer unvollständig bleiben wird.


Wenn ich es auch wichtig finde, sich auf den Tod vorzubereiten, so bedeutet das nicht, ständig an ihn zu denken, es bedeutet lediglich, ihm einen Platz im Leben zuzugestehen.

Über Wünsche zu sprechen und über Ängste, über Dinge, die uns wichtig sind – über das, was für unser Leben wirklich zählt. Wie schade wäre es doch, würden wir uns erst im Ausnahmezustand Gedanken über das Wesentliche machen. Dann, wenn wir vielleicht nicht mehr wirklich handlungsfähig sind.

Vielleicht verdrängen wir den Tod deshalb so hartnäckig, weil er uns immer wieder dieselbe Frage stellt.



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