Immer dieselben Geräusche,
immer derselbe Krach.
Ich wünschte, ich könnte noch schlafen,
stattdessen liege ich wach.
Irgendwo quasselt ein Radio,
dann fällt ein Schlüsselbund.
Hier ein Gespräch im Treppenhaus,
woanders bellt ein Hund.
Ein Kind lärmt auf dem Spielplatz,
schon während ich noch schlief.
Die Haustür kracht mit lautem Knall,
der Postmann pfeift ganz schief.
Gegenüber klappert Geschirr,
bei Nachbars gibt es Streit.
Ein Fahrrad fährt vorbei und quietscht
sein Lied aus Rost und Zeit.
Die alte Dame über mir
geht langsam durch den Flur.
Ihr Stock spricht stets zwei Silben aus,
ich kenne ihre Spur.
Immer dieselben Geräusche,
immer derselbe Krach.
Ich weiß von diesen Menschen nichts,
außer, was jeder so macht.
*
Doch eines Tages fehlte wer
und mit ihm fehlte Klang.
Nicht viel. Nur eine Kleinigkeit,
die nicht mehr zu mir drang.
Kein Schritt mehr auf den Fliesen.
Kein Pfeifen vor der Tür.
Keine gluckernde Kaffeemaschine,
nur Stille blieb dafür.
Da merkte ich zum ersten Mal,
wie seltsam das doch ist:
Wie viele Töne hört man wohl
erst wenn man sie vermisst?
*
Immer dieselben Geräusche,
immer derselbe Krach.
Gespielt vom Orchester des Lebens –
ich lausche.
Und bin endlich wach.
Entstanden aus dem Poesiemontag auf Instagram zum Thema „Melodie“ – und der Frage, wie sich die Melodie des Lebens verändert, wenn manche Töne plötzlich verklungen sind.



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