Ich bin nie weit herumgekommen.
Weder als Kind noch später.
Ein bisschen Spanien. Etwas Italien.
Und einmal war ich auf Kreta.
Ich sah die Berge in Tirol,
den Schnee der Schweiz im Morgenlicht.
Den Kontinent hab ich nie verlassen –
so weit gereist bin ich bisher nicht.
Die Welt ist groß – ja klar, ich weiß.
Und manche zieht es ständig fort.
In ihren Pässen sammeln sie Stempel,
am Kühlschrank Magnete von manch fernem Ort.
Ich frage mich dann manchmal still,
wenn einer wieder weiterzieht:
Was hat er wohl schon alles erkundet,
von dem, was vor seiner Haustür liegt?
Weiß er, wie der Vogel heißt,
der morgens in seinem Garten singt?
Oder der Bach, der hinterm Haus fließt,
der alte Pfad, den das Reh so gern nimmt?
Ob er denn schon mal am Steinbruch war?
Der alten Kapelle, unten am Fluss?
Was er wohl sagte, wenn ich ihn fragte,
was ich mir unbedingt anschauen muss?
Mir reicht meist mein kleiner Wald.
Der See. Das Schilf. Das Abendrot.
Schon so viel Schönes hab ich gesehen,
auch ohne, dass ich die Welt überflog.
Die längsten Reisen meines Lebens
begannen meist bei Kerzenschein.
Mit einem Buch und einem Gedanken
reist es sich weit – auch völlig allein.
Nur einmal, als ich in Norwegen stand,
vor Felsen, Wasser, Wind und Zeit,
da fühlte sich alles so seltsam vertraut an,
als kannte ich diesen Ort bereits.
Als hätte dieses Land beschlossen,
mich einfach in sich aufzunehmen.
Als wollte es sagen: „Willkommen zu Hause,
hier darfst du du sein, hier kannst du leben.“
So reist wohl jeder etwas anders.
Manche plagt das Fernweh sehr.
Ich stattdessen, trage Orte im Herzen
und reise dafür weniger.
Doch irgendwann will ich wieder dorthin,
wo der Nordwind mir durch die Haare weht.
Wo zwischen Fjorden und der Weite des Himmels
die Welt sich ein bisschen langsamer dreht.
Entstanden aus einem Instagram-Schreibimpuls, der die anstehende Reisezeit zum Thema hat. – Und da das Reisen nicht so ganz meins ist, schreib ich halt genau darüber.



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