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Können Worte heilen?


Viele von uns sind im Umgang mit Sprache recht fit – schließlich verwenden wir sie schon länger als unsere Erinnerung zurückreicht. Dennoch haben wir alle auch immer wieder mal Momente, in denen uns die Worte fehlen und wir einfach nicht wissen, wie wir ausdrücken sollen, was uns beschäftigt. Der berühmt-berüchtigte Kloß im Hals lässt es einfach nicht zu.

Nicht jeder reagiert in solchen Momenten gleich. Von traurigem Schweigen bishin zum zertrümmern des Mobiliars ist alles möglich und fragt uns dann auch noch jemand, was mit uns los sei, sagen wir in der Regel entweder „Gar nichts ist los!“ oder „Keine Ahnung, ich weiß es doch auch nicht!“


Sprache ist ein unheimlich mächtiges Werkzeug, gleichzeitig aber auch eines, über dessen Handhabung wir kaum nachdenken. Wir machen den Mund auf und quatschen einfach los – in den seltensten Fällen überlegen wir uns unsere Sätze vorher, sondern lassen unsere aktuelle Stimmung darüber entscheiden, wie wir uns ausdrücken.

In ein und derselben Situation verdrehen wir an einem guten Tag vielleicht lediglich die Augen, an einem schlechten dagegen öfnnet sich nicht nur unser Mund sondern auch die Büchse der Pandora – was uns später nicht selten dann doch leid tut oder peinlich ist.


Worte sind höchst selten nur die reine Information irgendeines Sachverhalts, sie sind auch immer Ausdruck unserer Befindlichkeiten und wenn man sie etwas genauer beobachtet, können sie uns genau deshalb auch helfen, uns selbst ein bisschen besser zu verstehen.


Emotionen verändern sich oft in dem Moment, in dem wir sie benennen können.

„Irgendetwas stimmt nicht“ hilft uns nicht wirklich weiter. Was sollen wir damit auch anfangen? Wenn ich nicht weiß oder nicht sagen kann, was dieses „Irgendwas“ ist, habe ich auch keine Möglichkeit, etwas dagegen zu unternehmen.

„Ich bin enttäuscht.“
„Ich habe Angst.“
„Ich bin wütend.“

Das sind Aussagen, die die Situation nicht automatisch besser machen, aber sie sind konkret und zeigen Lösungswege sehr viel eher auf, als ein diffuses „Alles scheiße.“



Ich glaube, jeder, der regelmäßig schreibt, hat sich schon mal mit einem bestimmten Thema im Kopf an den Schreibtisch gesetzt – um drei Seiten später festzustellen, dass er doch über etwas völlig anderes schreibt.

Nach schweren Verlusten oder belastenden Ereignissen erleben wir oft das Gegenteil – die Worte scheinen uns verlassen zu haben. Als wüssten sie, dass die Erfahrung, die wir gemacht haben, zu groß für jede Sprache ist.

Und trotzdem suchen wir gerade dann nach Worten.

Nach einem Satz, einem Vergleich – nach irgendetwas, das dem Unfassbaren, dem Unaussprechlichen eine Form verleiht.

Man selbst hat vielleicht schon länger „Nur so ein seltsames Gefühl, was weiß denn ich?!“ Dann liest man eher zufällig ein paar Zeilen und denkt sich: Ja. Genau das!

Das Problem ist dadurch nicht verschwunden, man trägt es aber plötzlich nicht mehr allein. Irgendjemand vor uns muss genau dasselbe auch schon empfunden oder erlebt haben, sonst hätte er es nicht so treffend aufschreiben können.

Ich finde ja, das ist mit die schönste Kunst der Worte:
Bislang namenlosen Dingen einen Namen zu geben.

Was keinen Namen hat, lebt im Verborgenen, lässt sich nur schwer begreifen oder anderen mitteilen – was uns häufig auf unerklärliche Weise Angst macht. Ähnlich, als würden wir durch den Wald laufen und in unserer Nähe würden ständig Äste knacken.

Ein Wildschwein? Jemand, der mich verfolgt?
Geht`s mir womöglich gleich an den Kragen?

Unsere Unwissenheit trägt nicht gerade zu einem entspannten Spaziergang bei …

Könnten wir aber das Reh sehen, das friedlich durch den Wald flaniert und für die knackenden Äste verantwortlich ist, bekäme unser ungutes Gefühl sofort einen Namen und es würde sich in Entzücken verwandeln. – Ist im Prinzip nichts anderes.


Es irritiert mich immer sehr, wenn man das Zuhause eines Menschen betritt und dort weit und breit kein einziges Buch zu entdecken ist (ich rede mir dann immer ein, dass sie sicher auf einem Kindle oder etwas Vergleichbarem lesen, aber drauf wetten würd ich nicht …).

Fakt ist: Je größer unser Wortschatz und die Vielfalt der Bilder in unserem Kopf, desto größer die Möglichkeit, nach außen zu tragen, was im Innern vor sich geht – das Unbegreifliche sichtbar zu machen.

Ich wünsch dir noch einen schönen Tag!


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Dein Echo auf diese Zeilen

3 Antworten zu „Können Worte heilen?“

  1. Avatar von hietnatz

    „Als hätten die Worte mehr gewusst, als man selbst.“ Wunderschön.

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    1. Avatar von Rebecca
      Rebecca

      🥹 Ja. So fühlt es sich manchmal an, wenn man „von ihnen gefunden wird“. 🥰

      Danke fürs Lesen – und was mir eben erst auffiel: Du bist Bianka, richtig? 🤗

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  2. Avatar von hietnatz

    Genau, ich bin die Bianka 🙂

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