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Wie können wir mit Kindern verantwortungsvoll über den Tod sprechen?


Kaum ein Thema verunsichert Erwachsene so sehr wie der Tod. – Und kaum ein Gespräch scheint schwieriger, als das, das wir mit unseren eigenen Kindern genau hierüber führen (müssen).

Sicher … Wir wollen unsere Kinder beschützen. Wir möchten ihre Welt leicht und unbeschwert halten und ihnen die großen Sorgen des Lebens so lange es geht ersparen. Ein verständlicher Wunsch – allerdings führt er oft dazu, dass wir ausweichen, wenn Fragen auftauchen. Wir wechseln das Thema, finden beruhigende Worte oder hoffen, dass die Neugier schnell wieder vergeht.

Doch Kinder sind aufmerksame Beobachter. Sie merken, wenn Erwachsene plötzlich leiser werden und haben sie das Gefühl, dass man ihnen etwas verschweigt, ziehen sie ihre eigenen Schlüsse.


Dabei beschäftigen sich Kinder viel früher mit Vergänglichkeit, als wir manchmal glauben. Sie finden einen toten Vogel im Garten oder stellen eines schönen Tages fest, dass der alte Hund der Nachbarn nicht mehr da ist. Sie hören von einer Beerdigung oder sehen einen Krankenwagen mit Blaulicht vorbeifahren. Und irgendwann stellen sie Fragen.

  • „Musst du auch einmal sterben?“
  • „Tut das weh?“
  • „Wo ist Oma jetzt?“

Solche Fragen treffen Erwachsene oft unvorbereitet und nicht selten antworten wir mit Sätzen wie: „Darüber musst du dir noch keine Gedanken machen.“ Oder: „Das dauert noch ganz lange.“

Natürlich steckt dahinter keine böse Absicht. Meist möchten wir nichts weiter, als die Angst unseres Kindes um jeden Preis lindern – manchmal versuchen wir aber auch, unsere eigene Unsicherheit zu beruhigen.

Gerade deshalb sollten wir ehrlich zu ihnen sein – was nicht bedeutet, einem Kind die ganze Schwere des Lebens auf einmal aufzubürden. Es bedeutet, verständliche, kindgerechte Worte zu finden, ohne die Wirklichkeit zu verschleiern.


Kleine Kinder nehmen Sprache sehr wörtlich.

Sagen wir, jemand sei „eingeschlafen“, kann daraus die Angst entstehen, selbst nicht mehr aufzuwachen. Heißt es, Oma sei „an einen besseren Ort gegangen“, wartet ein Kind vielleicht wochenlang darauf, dass sie zurückkommt.

Klare Worte sind deshalb oft hilfreicher als beschönigende Bilder.

  • „Der Körper funktioniert nicht mehr.“
  • „Sie kann nicht mehr wiederkommen.“
  • „Wir sind traurig, weil wir sie vermissen.“

Diese Sätze klingen vielleicht etwas nüchtern. Für Kinder sind sie allerdings sehr viel leichter zu begreifen als sprachliche Umwege, die mehr Fragen hinterlassen, als sie beantworten.


Für ein vierjähriges Kind ähnelt Sterben häufig noch einer langen Reise oder einem tiefen Schlaf. Endgültigkeit gehört noch nicht zu seinem Denken. Deshalb fragt es immer wieder, wann Oma zurückkommt. Nicht, weil es nicht zugehört hätte, sondern weil sein Gehirn das Konzept des endgültigen Abschieds noch nicht entwickelt hat.

In dieser Zeit brauchen Kinder vor allem Sicherheit. Weniger philosophische Erklärungen als die Gewissheit, dass jemand da ist. Dass sie weiterhin geliebt werden und dass sich jemand um sie kümmert.

Mit dem Grundschulalter verändert sich der Blick. Kinder beginnen zu verstehen, dass jeder Mensch sterben wird – auch Mama. Auch Papa. Und irgendwann sie selbst.

Für viele Eltern ist das der Moment, in dem die Fragen besonders schwer werden.

„Musst du auch sterben?“
„Wann passiert das?“

Die Versuchung liegt dann nahe, schnell zu beschwichtigen. Doch Kinder spüren genau, wenn Erwachsene ausweichen. Viel wichtiger als eine perfekte Antwort ist die Erfahrung, dass ihre Fragen ausgesprochen werden dürfen.

Manchmal reicht schon ein einfaches: „Darüber denke ich auch manchmal nach.“

Jugendliche begegnen dem Tod wieder auf eine andere Weise. Sie verstehen seine Endgültigkeit längst, gleichzeitig geraten sie selbst in eine Lebensphase, in der ohnehin alles hinterfragt wird. Manche sprechen kaum darüber, andere beschäftigen sich intensiv mit existenziellen Fragen. Wieder andere wechseln scheinbar mühelos zwischen philosophischen Gesprächen und völliger Unbeschwertheit.

Auch das ist normal.

Gerade Jugendlichen hilft es oft, wenn Erwachsene nicht so tun, als hätten sie auf alles eine Antwort. Ein ehrliches „Ich habe keine Ahnung“ kann mehr Vertrauen schaffen als jede noch so ausgefeilte Erklärung.


Überhaupt lernen Kinder den Umgang mit dem Tod weniger durch unsere Worte als durch unser Verhalten. Sie beobachten,

  • ob Traurigkeit sein darf,
  • ob Tränen ausgehalten werden,
  • ob Erinnerungen Platz haben
  • oder ob alles möglichst schnell wieder funktionieren muss.

Wenn Erwachsene traurig sein dürfen, ohne daran zu zerbrechen, erfahren Kinder etwas sehr Beruhigendes: Gefühle sind nicht gefährlich. Sie kommen, bleiben eine Weile – und irgendwann verändern sie sich.

Auch Rituale können dabei helfen.

  • Eine Kerze anzünden.
  • Gemeinsam Fotos anschauen.
  • Einen Brief schreiben.
  • Blumen zum Grab bringen oder an einer Beerdigung teilnehmen, wenn das Kind es möchte.

Viele Erwachsene möchten Kinder vor solchen Momenten schützen.

Doch häufig entsteht mehr Angst durch das, was im Dunkeln verborgen bleibt, als durch das, was gemeinsam erlebt wird. Wer gut vorbereitet wird und selbst entscheiden darf, fühlt sich oft weniger ausgeliefert als jemand, der nur ahnt, dass hinter verschlossenen Türen etwas Schlimmes geschieht.

Kinder trauern ohnehin anders als Erwachsene. Sie weinen vielleicht herzzerreißend – und spielen zehn Minuten später wieder unbeschwert mit dem Hund im Garten. Für Erwachsene wirkt das manchmal befremdlich. Dabei ist es eine gesunde Form, mit Trauer umzugehen.

Kinder tauchen in ihre Gefühle ein, verlassen sie wieder und kehren später zu ihnen zurück. Sie brauchen keine dauerhafte Niedergeschlagenheit, um wirklich traurig zu sein.

Vielleicht ist das sogar etwas, das Erwachsene von ihnen lernen könnten.


Wenn wir mit Kindern über den Tod sprechen, müssen wir weder jedes Detail erklären noch jede Angst sofort auflösen. Es reicht oft, erreichbar zu bleiben.

Zu sagen: „Ich bin da.“ Fragen auszuhalten, auf die es keine endgültigen Antworten gibt. Und gemeinsam festzustellen, dass manches im Leben nun mal traurig ist denn genau das erleben Kinder früher oder später ohnehin.

Was sie in diesen Momenten wirklich trägt, ist nicht die Gewissheit, dass alles gut ausgehen wird. Es ist die Erfahrung, dass sie mit ihrer Angst nicht allein sind.

Vielleicht ist das die wichtigste Botschaft, die wir einem Kind mitgeben können:

Ja, Menschen sterben.
Ja, Abschiede tun weh.

Sie verändert ihre Gestalt.

Und sie bleibt oft viel länger bei uns, als wir mit Worten erklären können.



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Dein Echo auf diese Zeilen

3 Antworten zu „Wie können wir mit Kindern verantwortungsvoll über den Tod sprechen?“

  1. Avatar von hietnatz

    Schön, dass du dem Thema hier Raum gibst. Kinder hüpfen vielleicht mehr in Trauerpfützen – und manchmal könnten wir uns von der Unbeschwertheit wieder etwas annehmen. Gleichzeitig darf die Tiefe angenommen werden, die da in den jungen Menschen oft schon aufkommen kann. Authentisch bleiben – in jede Richtung. Und mit dem Jetzt arbeiten – denn selten ist es gut, alles auf später zu verschieben. Das, was sich gegenwärtig zeigt, möchte Raum haben und besprochen werden. Und wie du so schön geschrieben hast: Nicht alles braucht eine Antwort – aber eine Präsenz.

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    1. Avatar von Rebecca
      Rebecca

      Guten Morgen, liebe Bianka und vielen Dank für deine Worte hierzu.

      Ja. Das Thema begleitet mich durchs Leben, deshalb hat es hier auch seine eigene Kategorie bekommen. Du scheinst ebenfalls sehr bewusst damit umzugehen und wenn das auch häufig sehr schmerzhaft ist, freut es mich doch, dass du denkst, wie du denkst.

      Wir alle müssen uns damit auseinandersetzen. Ob wir wollen oder nicht …

      Ganz lieben Gruß und hab einen schönen Tag!
      Rebecca

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  2. Avatar von hietnatz

    Ich habe über all die Jahre die Erfahrung machen dürfen: Wenn man sich und den anderen das Thema zuMUTet, begegnen sich alle auf einer tieferen und ehrlicheren Ebene. Und letztlich hat der Tod an Schrecken verloren.

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