Entstanden aus einem Instagram-Schreibimpuls zum Thema „Ton“. Mein erster Gedanke galt der Musik, doch dann wollte das hier geschrieben werden …
Es gab eine Zeit,
da war ich einfach nur Erde.
Jahrelang lief man über mich hinweg
und niemand ahnte,
was einmal aus mir werden würde.
Doch eines Tages grub mich jemand aus.
Damals hielt ich das für das Ende meines Lebens.
Heute weiß ich: Es war der Anfang.
Dann gab man Wasser zu mir.
Nicht viel.- Nur gerade genug,
damit ich formbar wurde.
Ich hatte es nicht immer leicht.
Ich wurde geknetet, gewendet, gepresst.
Der Druck, unter dem ich stand,
bestimmte meinen Alltag.
Dann drehte sich plötzlich alles.
Ich verlor jede Orientierung
und dachte, ich würde aus der Welt fallen.
Doch in Wahrheit
entstand genau in diesem Moment
meine Mitte.
Immer wieder nahm man etwas von mir weg.
Hier ein bisschen.
Dort noch etwas.
Damals fühlte es sich nach Verlust an.
Erst später begriff ich:
So wurde Raum geschaffen,
für all das,
was ich einmal tragen sollte.
Irgendwann stellte man mich einfach beiseite –
und es geschah gar nichts mehr.
Ich wartete und wartete.
So viel verlorene Zeit …
Mir war noch nicht bewusst,
wie wichtig es ist,
mit sich selbst geduldig zu sein.
Dann kam das Feuer.
Ich hatte Angst,
dass es mich zerstören würde.
Doch das Gegenteil war der Fall.
Es machte mich widerstandsfähig.
Als alles vorüber war,
stellte man mich in ein Regal.
Da stand ich dann
zwischen Vasen, Krügen,
Bechern und Schüsseln.
Was wohl aus mir geworden war?
Plötzlich fiel mein Blick
ganz unverhofft in einen Spiegel
und zum ersten Mal konnte ich mich sehen.
Ich war keine kostbare Vase geworden.
Nur eine schlichte, unebene Schale.
Ich war enttäuscht.
Doch dann bemerkte ich,
dass ich jeden Tag gehalten wurde.
Mal von großen, mal von kleinen Händen.
Und auch ich durfte halten.
Warmen Tee. Frisches Obst.
Selbstgebackenes Brot.
Manchmal Tränen.
Ich glaube,
ich machte meine Sache sehr gut.
Mit den Jahren bekam ich kleine Risse.
Ich dachte, nun würde mich
niemand mehr haben wollen.
Doch es veränderte sich kaum etwas.
Man nahm mich nur
ein wenig vorsichtiger in die Hand.
Heute stehe ich oft am Fenster.
Morgens wandert Licht
über meine kleinen Unebenheiten.
Abends legt sich Schatten hinein.
Beides gehört zu mir
und macht mich einzigartig.
Wenn ich heute
auf mein Leben zurückblicke,
denke ich manchmal,
wie seltsam das alles doch ist …
Ich wollte immer
etwas Besonderes werden.
Dabei genügte es völlig,
tagtäglich für irgendjemanden
etwas ganz Gewöhnliches zu sein.
Wäre ich geworden,
was ich werde wollte –
wer weiß, was aus mir
geworden wäre …



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