Heute ist auf Instagram wieder Poesiemontag, diese Woche mit dem Thema „Balsam“ – da lag der „Balsam für die Seele“ natürlich erst mal nah …
Aber dann fielen mir die alten Ägypter ein, die ihre Toten einbalsamierten – nicht etwa, weil sie sie festhalten oder den Tod ungeschehen machen wollten, sondern aus Ehrfurcht vor dem, was ihnen zu kostbar schien, um es achtlos der Zeit zu überlassen.
Wir nutzen heute zwar weder Harz noch Leinen – aber auch wir balsamieren Dinge ein.
Wobei … Nicht wirklich Dinge – aber das, was sie in sich tragen und was wir möglichst lange vor dem Vergessen bewahren wollen – aus Ehrfurcht vor dem, was einmal unser Leben berührt hat.
Aus diesen Gedanken entstanden folgende Zeilen – und damit einen guten Wochenstart euch allen!
Augenblicke, balsamiert
Erinnerst du dich auch so gerne
an Schönes aus vergangner Zeit?
Erinnerungen sind Chronisten,
Bewahrer einer Ewigkeit.
Wir stecken sie in Schubladen,
zu Briefen, Bildern, Spitzenband.
Zu Kieselsteinen, Meeresmuscheln,
Zeichnungen von Kinderhand.
Fast wie damals, als die Menschen
Könige in Leinen hüllten.
Mit sanfter Sorgfalt Körperhöhlen
mit Harzen, Wachs und Ölen füllten.
Tun wir das nicht immer noch?
Nur anders, still und unbemerkt?
Wir balsamieren Augenblicke,
weil keiner jemals wiederkehrt.
Wir wickeln sie in gute Worte,
in Lieder oder ein Gedicht.
In alte, längst vergilbte Fotos
oder in Omas Lieblingsgericht.
Wir stellen sie in Küchenschränke,
als Tasse mit dem kleinen Sprung.
Behalten Kleider, die zu klein sind –
aber noch flüstern: Du warst mal so jung …
Wir tragen Dinge achtsam weiter,
obwohl sie längst Geschichte sind.
Ein Herz spürt noch für lange Zeit
Vergangenheit im Abendwind.
Wenn auch Liebe, selbst die stärkste,
weder Tod noch Zeit bezwingt,
so ist sie doch vielleicht wie Leinen,
das zärtlich sich ums Gestern schlingt.
*
Danke fürs Lesen!



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