Wenn du für eine Woche ein Tier sein müsstest – welches wärst du?
Das möchte die heutige WordPress-Schreibanregung gerne wissen.
Früher hätte ich mich vermutlich für einen Adler entschieden, für irgendein Tier, das ich mit Freiheit assoziiere – heute dachte ich aber sofort: Ich wäre gern mein eigener Hund.
Nicht, weil ich unbedingt den ganzen Tag durch den Wald streifen oder mir die Sonne auf den Bauch scheinen lassen möchte und schon gar nicht, weil ich denke, dass mein Hund bei mir sein bestes Leben lebt – aber genau das würde mich doch schon sehr interessieren.
Wie geht es Tolkien hier bei mir? So wirklich?
- Ist er glücklich darüber, sein Leben mit mir zu teilen oder sieht er manchmal andere Hunde und denkt sich: „Hast du‘s gut, mit dir würd ich ja so gern tauschen.“
- Freut er sich tatsächlich über mich, wenn ich von der Arbeit oder vom Einkaufen zurückkomme oder ist er nur so aufgeregt, weil er sich fragt, ob ich nicht vielleicht irgendwas Leckeres für ihn in der Tasche habe?
- Sind unsere Spaziergänge für ihn kleine Abenteuer oder eher ein „Ok, komm ich halt mit, seh ich wenigstens mal was anderes.“
- Ob er sich wohl wundert, warum seine Menschen so oft auf leuchtende Bildschirme starren, obwohl draußen der Wind durch die Bäume rauscht und die Vögel am Himmel und in den Bäumen doch so viel Interessanteres zu erzählen haben?
Und natürlich beschäftigt mich noch etwas.
Mag er mich wirklich?
Oder bin ich für ihn in erster Linie nur jemand, der zuverlässig Futter bereitstellt? – Ich fürchte, das werde ich nie mit letzter Sicherheit herausfinden.
Zwar leben wir unter einem Dach, kennen die Gewohnheiten des anderen ziemlich genau, aber ich interpretiere sein Verhalten zwangsläufig auf menschliche Weise. Was wirklich in ihm vorgeht, wird wohl auf ewig ein ungelöstes Rätsel bleiben.
Ja, ich weiß, wie er sich verhält, wenn dringende Geschäfte erledigt werden wollen, wenn er Hunger hat oder müde ist. Ich weiß auch, dass er die Welt sehr spannend (oder fragwürdig?) finden muss – immerhin ist er ein Meister darin, sich auf seinen plüschigen Hintern zu hocken und eine gefühlte Ewigkeit in die Landschaft zu starren.
Ich frage mich oft, was er wohl sieht, „wenn es da doch gar nichts zu sehen gibt“. Wie er die Welt wohl wahrnimmt? Das würde ich wirklich zu gern wissen.
Ich kenne all seine kleinen Einzigartigkeiten, und trotzdem bleibt da auch immer etwas, das ich nie ganz werde entschlüsseln können.
Muss ich wohl so hinnehmen.
Wir Menschen verbringen so viel Zeit damit, alles verstehen zu wollen.
Wir lesen Bücher über Beziehungen, hören Podcasts über Kommunikation und zerbrechen uns den Kopf darüber, was andere wohl von uns halten.
Und dann lebt da in unseren Wohnzimmern ein Wesen, dessen Gedanken und Emotionen wir letztlich nur erahnen können. – Und trotzdem funktioniert dieses Zusammenleben erstaunlich gut.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass er mir vertraut. Dass er viele Dinge zwar nicht versteht, aber selbst dann, wenn ich etwas tue, das für ihn einfach nicht angenehm sein kann – Zecken am Augenlid entfernen, zum Beispiel – etwas in ihm einfach weiß, dass es einen triftigen Grund dafür geben muss und er mich deshalb mit aller Ruhe, die er aufbringen kann, machen lässt.
Das ist ein enorm schöner Gedanke – und ich hoffe einfach nur, dass ich mich nicht irre.
Tolkien hat noch nie und wird auch nie auch nur ein einziges Wort zu mir sagen. Und doch scheint es oft so, als hätten wir unsere eigene Sprache gefunden und würden uns verstehen.
Ich würde so gern wissen, ob ich seine Zeichen richtig deute.
Zugegeben … Etwas in mir wird durch diesen Hund an alte Fragen erinnert:
Bin ich okay, wie ich bin?
Mach ich die Dinge richtig?
Hast du mich lieb?
Vielleicht lieben viele Menschen ihre Tiere ja gerade deshalb so sehr … Ein „Ich liebe dich“ werden wir nie hören – unsere Tiere schaffen es aber dennoch, dass wir uns auch ohne Worte geliebt fühlen. Wer sonst könnte das, als ein Tier, das nicht einmal selbst entschieden hat, dass es sein Leben mit uns verbringen möchte?
Gerade das berührt mich am Zusammenleben mit meinem Hund am meisten. Für mich wird unsere gemeinsame Zeit – wenn nichts Unerwartetes dazwischenkommt – ein Teil meines Lebens sein. Für ihn ist es sein ganzes.
Und gerade deshalb würde ich mich so gern mal mit Tolkiens Augen sehen – weil ich gern wüsste, ob er glücklich ist und ich auch nur ansatzweise der Mensch bin, den ich in seinem Blick manchmal zu entdecken glaube.
Danke fürs Lesen und habt alle einen schönen Tag – wir gehen dann jetzt mal Gassi. ❤️


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