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Ins Holz geschrieben

Randnotizen


Wie so oft hat WordPress auch heute eine Frage parat, die mich kurz zum Bewundern meiner Holzdecke animiert – aber gut, gehen wir`s trotzdem einfach mal an …


Früher hätte ich ohne mit der Wimper zu zucken: Natürlich die Erfahrung! geantwortet – aber heute sehe ich das etwas anders.

Prinzipiell denke ich, dass es auf diese Frage keine entweder-oder-Antwort geben kann. Zwar prägen uns unsere Erfahrungen doch schon sehr, dennoch bin ich davon überzeugt, dass wir alle auch ein gewisses Betriebssystem mit in die Wiege gelegt bekommen haben, das sich meiner Meinung nach nicht vollständig löschen lässt.

Wir bringen immer etwas ganz Eigenes mit in dieses Leben.

An kleinen Kindern kann man das recht gut sehen.

Manche sind von Anfang an unheimlich verträumt, andere haben das Temperament eines Tsunamis und während die einen neugierig auf Fremde zugehen, halten andere erst einmal Abstand und beobachten das Geschehen aus sicherer Entfernung. Das bleibt recht häufig ein Leben lang so.

Mag sein, dass sich aufgrund bestimmter Erfahrungen die Erscheinungsform dieser Veranlagung etwas ändert – nicht selten muss man aber aktiv dagegen ankämpfen, wirklich „nach mir selbst“ fühlt sich das dann meist nicht so wirklich an.

Doch selbst wenn Veranlagungen auf ewig unsere Lebensart bestimmen würden, wäre niemand von uns exakt der Mensch geworden, der wir heute sind, hätte das Leben sich ein anderes Drehbuch für uns ausgedacht.


Von Menschen, die geblieben sind, von denen, die gegangen sind, von Sätzen, die uns größer gemacht haben und von solchen, unter denen wir uns jahrelang klein und unscheinbar gefühlt haben.

Manche Erfahrungen hinterlassen vielleicht nur einen flüchtigen Abdruck, andere schreiben ganze Lebenskapitel um.

  • Wer einmal von einem Hund gebissen wurde, begegnet dem nächsten vermutlich anders.
  • Wer als Kind ständig ausgelacht wurde, betritt einen Raum anders als jemand, der immer das Gefühl hatte, willkommen zu sein.
  • Wer geliebt wurde, vertraut leichter.
  • Wer immer wieder verletzt wurde, lernt manchmal, Türen zu schließen, lange bevor jemand geklopft hat.

Wir sind keine in Stein gemeißelte Skulptur – natürlich verändern wir uns im Laufe unseres Lebens. – Wie Bäume, die Spuren des letzten Sturms mit sich tragen. Oder eines Blitzeinschlags.

Und an dieser Stelle gingen meine Gedanken dann mal wieder unverhofft auf Wanderschaft – um eine alte Eiche nach ihrer Meinung zum heutigen Thema zu fragen …

Und damit einen schönen Tag euch allen!

Rebecca


Die alte Eiche

Ich war schon eine Eiche,
lange bevor ich danach aussah.

Anfangs passte ich in eine Frucht,
die ein Eichhörnchen in der Erde vergraben
und vergessen hatte.

Damals hatte ich noch keine Äste,
keine Rinde – und auch keine Blätter,
die später einmal im Wind tanzen sollten.

Und doch war bereits alles da,
was mich einmal zu einer Eiche
machen würde.

All diese Möglichkeiten.

Dann kam das Leben.

Der erste Regen.
Der erste Winter.
Die erste Dürre.
Rehe, die an meinen Trieben fraßen.

Und während all das geschah,
wuchs ich still vor mich hin.

Nicht jeden Tag gleich viel.

Manchmal fast gar nicht.
Dann wieder ein ganzes Stück,
obwohl ich es kaum bemerkte.

Irgendwann war ich groß genug,
dass Vögel ihre Nester in meine Zweige bauen konnten.
Kinder in meinem Schatten zum Schlafen gelegt wurden.
Menschen sich an meinen Stamm lehnten,
um sich einen Moment lang auszuruhen.

Ich wusste nie genau,
was als Nächstes geschehen würde.

Die Jahre vergingen und manche waren schwerer als andere.

Ich sah Sommer,
in denen der Boden um mich herum
trocken und rissig wurde.

Herbstmonate,
in denen der Regen nicht enden wollte,
Stürme mir einen Teil meiner Äste nahmen
und meine Krone lichter werden ließen.

Ich lernte Moos kennen.
Pilze, Flechten, Efeu –
sogar Menschen, die ihre Initialen
in meine Rinde ritzten.

Ich trage sie noch immer.

Wie meine Jahresringe.

Manches hat mich gebeugt.
Manches hat mich wachsen lassen.
Das meiste beides zugleich.

Heute bleiben manchmal
Menschen vor mir stehen
und schauen mich an.

Für sie bin ich eine alte Eiche.
Der große Baum, der ich nun mal bin.

Doch ich erinnere mich noch gut
an den kleinen Samen, der ich einmal war.

Den Schössling.

Meinen zarten Stamm,
der sich im ersten Sturm
bis fast zum Boden bog.

Keiner dieser Bäume
ist verschwunden.

Sie tragen alle denselben Stamm.

Ja. Das Leben
hat mich verändert.

Aber nicht in jemand anderen.

Nur immer weiter in die Eiche hinein,
die ich von Anfang an gewesen bin.



Dein Echo auf diese Zeilen


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