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Grüße von unterwegs

… und wieder einmal ist es hier stiller geworden.

Nicht, weil mir die Worte fehlen – das Gegenteil ist der Fall. Mein Kopf ist voller Namen, Geschichten, Orte und Fragen. Nur hat all das im Augenblick seinen Ursprung nicht in mir selbst.

Seit einiger Zeit beschäftige ich mich intensiv mit Tolkien und der Welt, die er zurückgelassen hat. Was mit ein paar Verständnisfragen begann, ist längst zu etwas Unerwartetem gewachsen. Ich lese, schlage nach, verliere mich in Stammbäumen und Zeitaltern, folge Geschichten über Jahrhunderte und Jahrtausende und stelle fest, dass hinter beinahe jeder Antwort mindestens fünf neue Fragen warten.

Ich dachte immer, ich würde mich in Mittelerde auskennen – inzwischen weiß ich, dass ich in den vergangenen ca. dreißig Jahren nicht mehr als einen flüchtigen Blick in dieses Universum geworfen und lediglich die Kirsche auf dem Sahnehäubchen wahrgenommen habe.

Seit Wochen vergeht kein Tag, an dem ich nicht irgendeinen „Ach was! – Ich hatte ja keine Ahnung!“-Moment habe und auch, wenn ich Tolkien für sein Werk schon immer bewundere, erst jetzt beginne ich zu begreifen, was er da tatsächlich geschaffen hat und wie beeindruckend sein ganzes Legendarium doch ist.

Es ist zu einer dieser Beschäftigungen geworden, bei denen man irgendwann auf die Uhr sieht und sich fragt, wo um alles in der Welt die vergangenen Stunden geblieben sind.

Und irgendwo auf diesem Weg ist etwas anderes still geworden.

Meine eigene Poesie.
Meine eigenen Geschichten.

Stattdessen verbringe ich meine Zeit damit, die Welt eines anderen zu erkunden und je länger ich mich darin bewege, desto mehr habe ich das Gefühl, mich gar nicht so weit von meinen eigenen Themen entfernt zu haben.

Noch immer geht es um Verlust und Vergänglichkeit, um Angst, Mut, Hoffnung und die Suche nach Heimat – und um die Frage, was von uns bleibt, wenn alles zerbricht.

Die Themen haben sich nicht wirklich verändert – aber der Ort, von dem aus ich sie betrachte.

Ich weiß noch nicht, was daraus entsteht. Vielleicht werde ich irgendwann wieder Gedichte schreiben und vielleicht werden die Geschichten, mit denen ich mich gerade beschäftige, ihre Spuren darin hinterlassen. Vielleicht entsteht aber auch etwas ganz anderes.

Gut möglich, dass zwei Wege, die im Augenblick auseinanderzulaufen scheinen, sich eines Tages wieder begegnen – vielleicht auch nicht. Das ist aktuell aber auch nicht weiter von Bedeutung.

Ja … Es liegt in unserer Natur, Dingen eine Bedeutung geben zu wollen. Aus einer Begeisterung soll ein Projekt werden, aus einem Interesse ein Ziel und aus einer Veränderung möglichst eine Entwicklung, die sich im Rückblick erklären und alles nach einer schicksalshaften Fügung aussehen lässt.

Aber vielleicht muss ich noch gar nicht wissen, wofür das alles gut ist.

Vielleicht darf es eine Zeit geben, in der man nicht erschafft, sondern entdeckt.

In der man nicht versucht, aus allem etwas Eigenes zu machen, sondern sich in etwas Fremdes vertieft, weil man wissen möchte, was hinter der nächsten Tür liegt.
Und hinter der nächsten.

Hier einen weiteren, eigenen Themenbereich zu eröffnen, das schien und scheint mir wenig sinnvoll, deshalb bleibt diese Seite, was sie ist – mit allem, was hier bereits seinen Platz gefunden hat. Vielleicht führen die neuen Wege eines Tages hierher zurück oder kreuzen sich an einer noch unbekannten Stelle, das wird sich zeigen.

Wenn ich das Ziel dieser Reise auch nicht kenne, ich möchte unbedingt sehen, wohin sie führt – und vielleicht erzähle ich ja irgendwann mal davon, wer weiß.

Kann allerdings ein bisschen dauern … 😉

Viele Grüße von irgendwo zwischen hier & dort – von unterwegs zu einem Abenteuer mit ungewissem Ausgang.

Möge die Neugier auf neue Wege dich nie ganz verlassen.
Rebecca

Dein Echo auf diese Zeilen

2 Antworten zu „Grüße von unterwegs“

  1. Avatar von
    Anonymous

    Liebe Rebecca,

    ich finde es sehr berührend, dass du das schöne Verlorengehen in Tolkiens Welt zelebrierst. Ich habe diese wunderbare Geschichte nun schon häufiger gelesen, und bin in den letzten Jahren dahin gekommen, den Zufall beim Öffnen des Buches entscheiden zu lassen, wohin mich das Lesen verschlägt. Es ist immer magisch und heimelig zugleich, bei all den Schrecken, die teilweise erzählt werden.
    Natürlich muss man – falls man nicht das Original lesen kann, was bei mir nur sehr holperig funktionieren würde – die Übersetzung von Margaret Carroux lesen, nicht die von Wolfgang Krege, der dem Text einen Teil seiner Seele genommen hat.
    Ich hoffe ja immer noch, dass die Zeit nach Sams „Ja, ich bin zurück.“ irgendwann verfilmt wird, denn in den Anhängen wird darüber ja noch viel berichtet.
    Bis dahin schwelge ich in dem, was ich habe.

    Ich wünsche dir noch viele Entdeckungen beim alten Professor T., die dich vielleicht zu neuer eigener Poesie inspirieren.

    Liebe Grüße von Stefan

    Gefällt 1 Person

    1. Avatar von Rebecca
      Rebecca

      Hallo Stefan – wie schön, ein Gleichgesinnter … ☺️🤗

      Das Verrückte ist ja, dass ich den HdR vor mehr als drei Jahrzehnten zum ersten Mal gelesen habe, mittlerweile recht viele von Tolkiens Werken besitze (habe eben am Ende des Beitrags mal ein Foto meines „Tolkien-Schreins“ ergänzt … 😉 ) und eigentlich dachte, ich hätte Ahnung von der Materie.

      Wenn man aber mal so richtig eintaucht, Stammbäume selbst erstellt, im Mittelerde-Atlas Wege nachvollzieht und Übersetzungen parallel betrachtet (stimmt dir zu, Carroux ist auch für mich die bestmögliche Wahl), dann ergeben sich plötzlich Verbindungen, die selbst in kleinen Nebensätzen Bedeutungen entstehen lassen, die man (ich) nie zuvor bemerkt hat.

      Fast ist es, als würde ich das alles nochmal ganz neu kennenlernen – hab ich SO nicht erwartet. Hach … Das sind dann wohl diese zauberhaften Überraschungen des Lebens, die uns manchmal ganz unverhofft vor die Füße fallen. 🤗

      Mal sehen, was da noch so draus wird. 🙂

      Ganz lieben Dank für deine Worte und hab eine gute Zeit! 🍀

      Lieben Gruß
      Rebecca 🙋🏻‍♀️

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